HANS-CHRISTIAN SCHINK - ASIA

HANS-CHRISTIAN SCHINK - ASIA
06.09.2014 - 22.11.2014
Erfurt
Fotografie


 

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ASIA

Das Wort Asien stammt aus dem Assyrischen und bedeutet Sonnenaufgang. Asien ist mit etwa einem Drittel der gesamten Landmasse der größte Kontinent der Erde, mit über vier Milliarden Menschen auch der einwohnerstärkste. Hier entstanden mit dem Neuassyrischen und dem Achämenidenreich die ersten Großreiche.
 
Im Zuge seiner Laufbahn als Fotograf bereiste Hans-Christian Schink zahlreiche asiatische Länder, darunter Pakistan, Indonesien und die Türkei.
 
Bereits im Sommer 1989 führte ihn eine Reise nach Nordkorea; zu diesem Zeitpunkt noch als Student der HGB Leipzig. Seine liberalen Professoren schickten ihn zu den „Weltfestspielen der Jugend“, weil sie Gelegenheiten zu einmaligen Aufnahmen vermuteten. Diese ergaben sich tatsächlich. Schink gelangen Fotos des alternden Kim Il Sung und ernüchternde Bilder aus Kindergärten und Kaufhäusern. Von nachhaltigster Bedeutung für sein Oeuvre erwies sich indes eine Serie über die Metrostationen Pjöngjangs.
 
Anderthalb Jahrzehnte später kehrte er unter gänzlich anderen Vorzeichen nach Asien zurück. Inzwischen hatte er eine eigene Bildsprache gefunden und mit den „Verkehrsprojekten“ eine ganze Epoche ins Werk gesetzt. Sein vorrangiges Interesse galt nun der Interaktion von Mensch und Natur, einer Art von Fotografie, die funktioniert „wie ein Schnitt durch die Zeit“ (Thomas Weski).

Eine erste Serie entstand 2005 in Vietnam. Er fotografierte bevorzugt in ländlichen Gebieten, wo das Mit- und Gegeneinander von Mensch und Natur in einem spannungsvollen Verhältnis stehen. Ein Blick über das Dächergewirr Hanois, gleichsam im Tiefflug, ist die urbane Ausnahme. Das Gegenstück zu diesem atemlosen Moment ist eine Serie von Dschungelbildern im Gegenlicht, eine zeitlos erhabene Aufführung von Schönheit, Kraft und Anmut.
 
Zwei Jahre später, 2007, folgten Aufnahmen des Bayon-Tempels in Angkor, Kambodscha. Das Motiv ist millionenfach abgelichtet, man sollte denken, fotografisch vollkommen verbraucht – aber genau wie 2004 in Machu Picchu gelang es Schink, eine eigene Sicht zu finden.
 
Die wohl engste Verbindung baute der Künstler zu Japan auf, denn hier fand er nicht nur Motive, sondern auch kundiges Publikum. 2009 erhielt er eine Einladung zum Projekt „European Eyes on Japan / Japan Today Vol. 11“und schuf eine Serie, die überraschend vertraut erscheint: „Im japanischen Niigata diente der Thüringer Wald als Erinnerungsfolie – kleine Siedlungen in Tal-Lage, umstanden von dunklen Nadelbaumkulturen – und als Auslöser, im Fremden das Eigene aufzufinden.“ (Kai Uwe Schierz). 2012 wurde er artist in residence der Villa Kamogawa in Kyoto. Ein Jahr nach dem Tsunami fotografierte er in der Region Tōhoku und schuf verstörende Impressionen von der Gewalt der Elemente.
 
In den vergangenen beiden Jahren unternahm Hans-Christian Schink mehrere Reisen nach Burma. Ihn fasziniert die Widersprüchlichkeit eines Landes, das sich nach fünfzigjähriger Militärdiktatur in rasantem Wandel zu einem Staat mit den typischen Entwicklungen asiatischer Formen des Kapitalismus befindet. Und das trotz seiner konfliktreichen und blutigen Historie, seiner zahlreichen noch immer schwelenden ethnischen, religiösen und politischen Auseinandersetzungen und den überall sichtbaren Folgen der Misswirtschaft der Generäle als Projektionsfläche für westliche Sehnsüchte nach dem Zauber des ursprünglichen und friedfertigen Daseins dient.
 
„Ihm geht es, wie er sagt, weniger darum, sich die Welt anzueignen, sondern darum, sich auf das einzulassen, was er findet. Reisen also nicht als Weg und Weise, etwas mit dem Anderen, Neuen, Unbekannten zu tun, sondern zu erfahren, zu sehen und zu zeigen, was dies mit ihm, dem Fotografen und seinem Fotografieren macht.“ (T.O.Immisch)


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