JÖRG ERNERT - NACHBILDER

JÖRG ERNERT - NACHBILDER
08.11.2014 - 20.12.2014
Frankfurt
Malerei


 ernert f 2014 1

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Eröffnung mit dem Künstler am Samstag, 8. November, 14 Uhr

Was passiert, wenn die Malkultur der Leipziger Schule auf Schlüsselwerke der Kunstgeschichte trifft? Jörg Ernerts neue Arbeiten führen es vor. Farben, Formen und inhaltliche Zusammenhänge erscheinen in einem bisher ungesehenen Licht.
 
Wer sich mit Malerei beschäftigt, weiß, daß die Moderne alle denkbaren Grenzen niederlegte. Zugleich hinterließ sie ein Feld der Zerstörung. Darin glich sie ihren häßlichen Zeitgenossen, den Ideologien des 20. Jahrhunderts. Zeichnerische Virtuosität, malerische Meisterschaft und kompositorische Raffinesse erschienen im „Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit“ (W. Benjamin) entbehrlich. Enormes Wissen ging verloren. Jörg Ernert spürt ihm nach und faßt neu, was heute wieder von Nutzen scheint. Ernert ist weder Nostalgiker noch europäischer Lokalpatriot - die malerische Fassung von Ana Menditas Fotoperformance  "On giving Live" belegt es, ebenso Exkurse zu Hokusai und Hopper.
 
Jörg Ernert unternimmt seit vielen Jahren malerische Ausflüge zu anderen Meistern, und wiederholt schuf er Neufassungen ihrer Werke in seinem eigenen Duktus. Ernerts bevorzugtes Interesse gilt der Frage, wie weit Abstraktion gehen kann, wenn der Gegenstand noch erkennbar bleiben soll, auf welche Weise Reduktion das Bild bereichert. Seine Serien „Kletterhalle“ und „Chinatown“ beantworten das im Bezug auf das Genre der Interieurmalerei tiefgreifend.
 
Die „Nachbilder“ rollen das Thema noch umfassender auf. Wir sehen Landschaften, Veduten, Genreszenen, Historienbilder und Porträts – alle meisterlich ausgeführt. Zugleich gestatten sie uns einen Blick auf Ernerts Arbeitsweise. Zuerst skizziert der Künstler eine kleine Studie, die Peinture, Duktus und Kolorit des Vorbildes erfaßt. Die weiteren Fassungen deklinieren das Motiv in die eigene Bildsprache – von der Farbigkeit bis zu Verschiebungen kompositorischer Schwerpunkte.
 
Ernerts neue Bilder analysieren ein Phänomen, das schon Rubens, Rembrandt oder Tizian faszinierte: Kunstwerke wirken am lebendigsten, wenn sie dem Auge nur ein optisches Gerüst liefern, welches vom Gedächtnis komplettiert wird – und zwar nicht nur mit visuellen Erinnerungen, sondern auch mit Geruch, Geschmack, Empfindungen und Erinnerungen aller Art. Ernerts Nachbilder sind ein Fest der Malerei und aller Sinne. Sie gestatten uns einen frischen Blick auf Sternstunden der Malerei.
 
Jörg Ernert wurde 1974 geboren, studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, absolvierte ein Meisterschülerstudium, arbeitet seitdem freischaffend und lehrt. Seit 2012 bekleidet er an der HGB eine Professur für Malerei.


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